Was steckt eigentlich in Aquarellfarben?

Wer mit Aquarell malt, beschäftigt sich meist zuerst mit Farben: Welche Töne passen zusammen? Welche Palette eignet sich für Landschaften oder urbane Skizzen? Doch bevor eine Farbe auf dem Papier landet, besteht sie aus einer überraschend einfachen Mischung weniger Bestandteile.

Die Eigenschaften einer Aquarellfarbe – ihre Leuchtkraft, Transparenz, Granulation oder Deckkraft – werden im Wesentlichen durch zwei Komponenten bestimmt: Pigmente und Binder.

Pigmente: Die eigentlichen Farbstoffe

Pigmente sind fein gemahlene Farbpartikel. Sie verleihen der Aquarellfarbe ihren Farbton und bestimmen viele ihrer charakteristischen Eigenschaften.

Früher wurden Pigmente häufig aus natürlichen Materialien gewonnen. Erdfarben wie Ocker oder Umbra stammen aus eisenhaltigen Mineralien. Andere Pigmente wurden aus Halbedelsteinen oder seltenen Rohstoffen hergestellt. Das berühmte Ultramarin wurde ursprünglich aus Lapislazuli gewonnen und war einst teurer als Gold.

Heute stammen viele Pigmente aus industrieller Herstellung. Sie sind oft farbstärker, lichtbeständiger und kostengünstiger als ihre historischen Vorbilder.

Auf den Farbtuben findet man häufig Kürzel wie:

  • PB29 – Pigment Blue 29 (Ultramarin)
  • PR101 – Pigment Red 101 (Eisenoxidrot)
  • PY150 – Pigment Yellow 150
  • PG7 – Pigment Green 7 (Phthalogrün)

Diese Pigmentkennzeichnungen sind oft aussagekräftiger als die Fantasienamen der Hersteller. Während „Permanent Orange“ oder „Forest Green“ je nach Marke unterschiedlich zusammengesetzt sein können, bleibt die Pigmentnummer eindeutig.

Binder: Der Klebstoff der Farbe

Pigmente allein würden nicht auf dem Papier haften. Deshalb werden sie mit einem Binder vermischt.

Der wichtigste Binder in Aquarellfarben ist Gummiarabikum, ein natürliches Harz, das aus verschiedenen Akazienarten gewonnen wird. Es erfüllt mehrere Aufgaben:

  • Es hält die Pigmentpartikel zusammen.
  • Es sorgt dafür, dass die Farbe in Näpfchen oder Tuben verarbeitet werden kann.
  • Es bindet die Pigmente nach dem Trocknen auf dem Papier.

Zusätzlich enthalten viele Farben kleine Mengen weiterer Stoffe:

  • Glycerin oder Honig zur Verbesserung der Feuchthaltung.
  • Netzmittel zur besseren Benetzung des Papiers.
  • Konservierungsmittel gegen Schimmelbildung.

Die genaue Rezeptur unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller und beeinflusst das Malverhalten oft stärker, als man zunächst vermuten würde.

Transparente Farben

Transparente Aquarellfarben lassen das Licht weitgehend durch die Farbschicht hindurchtreten. Das Licht wird vom weißen Papier reflektiert und scheint anschließend durch die Farbschicht zurück.

Dadurch entstehen die für das Aquarell typischen leuchtenden und klaren Farbtöne.

Transparente Farben eignen sich besonders für:

  • Lasuren
  • Schichtmalerei
  • Lichtstimmungen
  • atmosphärische Landschaften

Typische transparente Pigmente sind viele moderne organische Farben wie Phthaloblau, Phthalogrün oder Quinacridon-Töne.

Bei mehreren übereinanderliegenden Lasuren bleibt die darunterliegende Farbschicht sichtbar. Genau dieser Effekt macht einen großen Teil des Reizes der Aquarelltechnik aus.

Halbtransparente Farben

Halbtransparente Farben liegen zwischen Transparenz und Deckkraft.

Sie lassen einen Teil des Lichts durch, streuen jedoch gleichzeitig mehr Licht innerhalb der Farbschicht. Dadurch wirken sie etwas dichter und weniger brillant als stark transparente Farben.

Viele Künstler schätzen halbtransparente Pigmente, weil sie:

  • gut lasierbar bleiben,
  • gleichzeitig etwas mehr Substanz besitzen,
  • häufig interessante Granulationseffekte erzeugen.

Zu dieser Gruppe gehören zahlreiche Erdfarben sowie manche Eisenoxidpigmente.

Deckende Farben

Deckende Farben streuen das Licht so stark, dass das Papier darunter kaum noch sichtbar wird.

Die Ursache liegt meist in Größe, Form oder optischen Eigenschaften der Pigmentpartikel. Statt Licht durchzulassen, reflektieren und streuen sie es bereits innerhalb der Farbschicht.

Typische deckende Pigmente sind:

  • Titanweiß
  • Kadmiumfarben
  • viele Erdpigmente
  • einige Kobaltpigmente

In der klassischen Aquarellmalerei werden deckende Farben oft sparsam eingesetzt. Sie können jedoch nützlich sein:

  • für helle Akzente,
  • für dunstige Atmosphären,
  • für bestimmte Illustrationsstile,
  • für Korrekturen und Hervorhebungen.

Warum Transparenz wichtig ist

Die Transparenz einer Farbe beeinflusst nicht nur ihr Aussehen, sondern auch die Art, wie sie mit anderen Farben zusammenarbeitet.

Wer mehrere transparente Farben übereinanderlegt, erhält meist klare und leuchtende Mischungen. Werden dagegen mehrere deckende Farben geschichtet, können die Ergebnisse schneller stumpf oder trüb wirken.

Deshalb achten viele Aquarellmaler bei der Zusammenstellung ihrer Palette nicht nur auf die Farbtöne, sondern auch auf deren Transparenzverhalten.

Ein Blick auf die Farbtube lohnt sich

Moderne Hersteller geben häufig wichtige Informationen direkt auf der Verpackung an:

  • Pigmentnummer
  • Lichtbeständigkeit
  • Transparenzgrad
  • Granulation
  • Färbekraft

Diese Angaben verraten oft mehr über eine Farbe als ihr Name.

Wer versteht, welche Pigmente in einer Farbe enthalten sind und wie transparent oder deckend sie sich verhalten, kann seine Palette gezielter auswählen und viele Überraschungen beim Mischen vermeiden.

Aquarellfarben erscheinen auf den ersten Blick einfach. Tatsächlich verbirgt sich hinter jeder Tube eine kleine Materialkunde aus Chemie, Mineralogie und Handwerk. Wer diese Grundlagen kennt, betrachtet die eigene Farbpalette oft mit anderen Augen.

Silke zeichnet unterwegs und experimentiert im Studio mit Farbe. Auf Skizzenlabor dokumentiert sie Reisezeichnungen, Farbstudien und andere visuelle Untersuchungen – mit Neugier, wechselndem Erfolg und ohne Anspruch auf abschließende Ergebnisse.

Skizzenlabor

Draußen skizzieren. Drinnen experimentieren.

Hier wird gezeichnet, beobachtet, ausprobiert und gelegentlich etwas verstanden.

Draußen entstehen Skizzen von Orten, Landschaften und Reiseeindrücken. Nicht als vollständige Dokumentation, sondern als Versuch festzuhalten, was mir aufgefallen ist und was mich beschäftigt hat.

Im Studio geht die Untersuchung weiter. Dort wird mit Farbe experimentiert: Mischungen, Kontraste, Farbharmonien, Fehlversuche und unerwartete Entdeckungen.

Skizzenlabor ist kein Portfolio und kein Lehrbuch. Es ist ein Arbeitstagebuch. Ein Ort für Notizen, Studien, Experimente und Fragen, auf die es oft noch keine Antwort gibt.

Manche Versuche gelingen. Andere liefern interessante Nebenbefunde.

Beides wird dokumentiert.

Vieles hier ist vorläufig. Fast alles ist ergebnisoffen.